Öffentlich. Rechtlich.

Pro7-Sat1-Vorstandsmitglied Conrad Albert hat in der vergangenen Woche erneut eine Beteiligung der privaten Medien am großen Einnahmentopf der öffentlich-rechtlichen Rundfunkgebühren gefordert. Albert, vor vier Jahren für "außerordentliche Leistungen" von zwei Teilhabern der Mediengruppe (KKR und Permira) anläßlich deren Ausscheidens mit 8,5 Millionen Euro Sonderzahlung belohnt, ist der Ansicht, daß auch private TV-Anbieter zumindest für "gesellschaftlich relevante Inhalte" einen ordentlichen Schluck aus der Rundfunkgebühren-Pulle verdient hätten.

Die beiden Investoren KKR und Permira - nicht nur in der Medienlandschaft als Heuschrecken bekannt - hatten mit dem Deal mehr als eine halbe Milliarde Euro gewonnen. In Heuschreckenkreisen ist das eher Magerstufe. Immerhin zeigt sich aber, daß man in der angeblich so klammen Medienindustrie mit ihrem mühsam errungenen Werbegroschen offenbar doch hinlänglich verdienen kann, sofern man das Ein- und Ausstiegs-Timing beherrscht. Die erwähnte halbe Milliarde wurde seinerzeit durch einen Gegen-Deal, den Verkauf der europäischen SBS-Senderkette an Pro7-Sat1 veredelt: Dieser erbrachte KKR und Permira weitere 750 Millionen Gewinn.

Der Gedanke liegt nahe, daß die "außerordentliche Leistung" von Albert und vier weiteren Managern vor allem in der Aushandlung ihres bescheidenen Exit-Bonus bestand.

Geld ging keines verloren. Es wechselte nur den Besitzer. Nachdem die beiden Heuschrecken mit 1,25 Milliarden weitergezogen waren, ist es nun Alberts Job, die öffentlichen Töpfe klarzumachen. Und was "gesellschaftlich relevant" ist - naja, die wasserdicht Rettungsschirm-geschützten Investmentbank-Zocker machen es uns vor, was in diesem Land gesellschaftlich oder systemisch relevant ist.


Wieder ein Kreis, der sich schließt: Der Wolf Of Wallstreet darf seine eigene Lebensgeschichte wieder und wieder auf eigener Bühne aufführen. Seine Geschichte ist interessant allein durch das viele Geld anderer Leute, das er sinnlos verjubelt. Ansonsten wäre sein Leben für uns - und ihn - nur langweilig. Das mitjubelnde Publikum zahlt Eintritt, Heizung, Steuern, Gagen, Catering und die Versicherungsprämie. Und kauft den maroden Kasten, wenn er pleite gehen sollte. Bravo. Na, wenn das kein gesellschaftlich relevantes System ist, dieses Theater...


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