Die Moral von der Geschicht'

Und wieder höre (oder besser: lese) ich die Freimaurer-Brüder im mehr oder minder fröhlichen Diskurs in den sozialen Medien. Über Glauben und Wissen und Nicht-Glauben und Nicht-Wissen. Ob und wie ein Glaube notwendig sei für den Freimaurer. Fast automatisch steuert dabei der Diskurs in Richtung der Alten Pflichten von Reverend James Anderson. Dort steht drin: Über Politik und Religion sollen sich Freimaurer nicht in die Haare kriegen. Mittlerweile ist die Schrift selbst zum Thema geworden, über das sich vortrefflich - naja, unterschiedlicher Meinung sein läßt.

Womöglich wären sie einander nie begegnet, die Brüder in den sozialen Medien. Vermutlich werden auch viele von ihnen sich nie von Angesicht zu Angesicht begegnen. Und wenn sie sich mal zufällig auf ihren Reisen begegnen, dann - aufgrund der geringen Zeit - zum apolitischen, areligiösen Smalltalk, zum Austausch von Bonmots am Rande gemeinsamer Tempelarbeiten, Seminare, Großlogentage. OK, Seminare nehmen wir mal raus aus der Nummer. Die dienen mitunter genau diesem dringend notwendigen Gedankenaustausch.

Menschen, die sich sonst nie begegnet wären - ein markantes Merkmal der Freimaurerei, wie bereits Reverend Anderson treffend bemerkt hatte. Insofern ist das soziale Netzwerk doch eigentlich genau das Medium, in dem auch Freimaurer sich nach Herzenslust austauschen können. Und dann auch noch in Schriftform. Da kann der eine spontan drauflos tippen, der andere in Ruhe an seinen Formulierungen feilen.
Ganz nach persönlicher Neigung und verfügbarer Zeit. Und für die Nicht-Tipper gibts die Diktierfunktion.

Nicht zu vergessen die klare Linie: Jedes Statement kann beliebig oft gelesen werden. Das erhöht die Chance, daß es verstanden wird. Zudem kommt es nicht so sehr darauf an, ob man frei sprechen kann. Mir zum Beispiel fällt es nicht leicht, eine etwas komplexere Argumentationslinie im Gespräch einzuhalten. Ganz zu schweigen von Unterbrechungen, Störungen, lautstarken Gesprächspartnern. Nichts gegen die Kunst der freien Rede. Man sollte sie bei vielen Gelegenheiten üben. Aber nicht jedes Podium ist dazu geeignet.


Zurück zum Anfang: Glauben, Nichtglauben. Der Rheinländer kann das so kurz und treffend formulieren: Jeder Jeck ist anders. Und das Anderssein ist genau das, was wir wollen. Oder, doch etwas ausführlicher: Es kommt mir nicht darauf an, warum ein Mensch moralisch handelt. Es ist mir wichtig, DASS ein Mensch moralisch denkt und handelt.


'ne Idee dazu?
Schreibe mir eine Mail



Read Next
Öffentlich. Rechtlich.